Im hellen, dekorativ eingerichteten Wohnzimmer von Heidi Pomella fällt der
Blick sogleich auf eine Gruppe von Krippenfiguren, die beim näheren Hinsehen
jedoch eine Auferstehungs-Szene darstellen. «Pro Jahr gebe ich drei bis vier
Kurse, in denen solche ‹Biblische Figuren Schwarzenberg› hergestellt werden»,
sagt die Langnauer Kirchenpflege-Präsidentin. Dabei geht es ihr nicht nur ums
kreative Gestalten, sondern auch um die Verkündigung: «Mit diesen Figuren kann
man junge Frauen wunderbar ans Evangelium heranführen.» Als gelernte
Goldschmiedin und jahrelang in der Kirche engagierte Frau verbindet sie beim
Herstellen der biblischen Figuren ihre kreativ-handwerklichen Fähigkeiten, ihren
Glauben und «den Auftrag, den Glauben weiterzugeben».
Auf Fragen des
Glaubens wurde sie in jungen Jahren durch familiäre Ereignisse gestossen: «Die
Geburt unseres zweiten Kindes, das mehrfach behindert war, wurde zu einem
Angelpunkt in meinem Leben.» Trotzdem blieb Heidi Pomellas Engagement nicht auf
ihre Familie beschränkt. Über 20 Jahre arbeitete sie als Katechetin auf
verschiedenen Stufen, dann 10 Jahre als pastorale Mitarbeiterin. Ehrenamtliche
Tätigkeiten ziehen sich durch ihr ganzes Leben: zuerst im Vorstand der
Elternvereinigung blinder und sehschwacher Kinder, als Stiftungsrätin des
Wohnheims Lerchenhof, im Vorstand der Vereinigung Kursleiterinnen Biblische
Figuren Schwarzenberg, im Vorstand der Schweizerischen Katecheten-Vereinigung
und im Pfarreirat. Seit ihrer Pensionierung vor vier Jahren engagiert sie sich
im Seelsorgerat und seit 2006 als Kirchenpflege-Präsidentin. «Der Tod meines
Mannes kurz vor der Pensionierung warf unsere Pläne, was wir in der freien Zeit
hätten unternehmen wollen, über den Haufen», erklärt sie ruhig. «Für mich war
die Freude an der Arbeit immer zentral. Es war mir immer klar, dass ich Zeit,
Lebenskraft und Weiterbildungen in eine sinnvolle Tätigkeit einsetzen wollte.»
Deshalb war es eine logische Konsequenz ihres bisherigen Lebens, die Anfrage,
das Präsidium der Kirchenpflege in Langnau zu übernehmen, zu bejahen.
Nur:
Als Kirchenpflege-Präsidentin ist sie nicht mehr direkt bei der Gestaltung des
Pfarreilebens engagiert, sondern «mehr im Hintergrund, im zurückhaltenden
Schaffen der nötigen Rahmenbedingungen». Der vorausgegangene langjährige Dienst
in der Kirche sei eine gute Vorbereitung gewesen, dieses Amt, das eine besondere
Form von Nähe und Distanz erfordere, gut auszufüllen.
Auf die Einführung der
neuen Kirchenordnung freut sie sich: «Unsere schweizerische duale
Kirchenstruktur gibt Sicherheit in einer kirchlich manchmal sorgenvollen Zeit.»
Das neue Mitgliederstimmrecht bedeute einen Zuwachs an engagierten
Kirchenmitgliedern, «also Hoffnung und Zukunft». Die Auseinandersetzung mit der
neuen Kirchenordnung könne positive Zeichen setzen: «Die Kirche vor Ort ist oft
sehr lebendig und bewirkt viel Gutes. Man sollte nicht nur auf Rom und Chur
fokussiert sein und sich von Negativ-Schlagzeilen bestimmen lassen. Wir sind
eine Glaubensgemeinschaft, die unterwegs ist auf einem Weg, der keine Autobahn
ist, uns dafür fordert und fördert – innerlich weiterbringt.»